Keine bessere Zeit – Part 3

Ab heute ist nichts mehr zu fantastisch!

Die Fantasie überfordern und dadurch sein Publikum verlieren? Eine derartige Befürchtung hätte sich bereits viel früher als unbegründet erweisen müssen, als ein gigantisches Marshmellow-Monster in bester Godzilla Manier breit grinsend durch New York City stampfte. Dem Kinobesucher der Gegenwart kann man eine Menge zumuten und solange die dargestellten Charaktere nur menschlich genug wirken, wird er sich auch auf das verrückteste Geschehen und die abstraktesten Welten einlassen können. Die Entwicklung hat gezeigt, dass sogar Bedarf für derartige Erfahrungen besteht. Doch innovative Fantasiekonstrukte entstehen nur im Geiste derer, die sich ihre kindliche Naivität und ihren ungehemmten Spieltrieb bewahrt haben und trotz ihres Alters, keine paradigmengebundenen Gewohnheitsmenschen geworden sind. Solche Leute sind nicht immer leicht zu finden, weshalb man häufig auf existierende Ideen zurückgreift. Viele solcher Ideen stammen aus Comicheften.

Mittlerweile gibt es so viele unterschiedliche filmische Adaptionen von Comicgeschichten, dass die Enttäuschung über vertane Gelegenheiten relativ schnell verfliegt. Womöglich wird man in naher Zukunft sogar Probleme damit haben, allen Veröffentlichungen die gleiche Aufmerksam zukommen zu lassen, denn allein die angekündigten TV-Serien reichen aus, um jeden Wochentag mit einem anderen Superhelden zu besetzen. Noch vor kurzem konnte man dienstags das S.H.I.E.L.D.-Team von Agent Phil Coulson auf dessen Einsätzen bestaunen, am Mittwoch wurde Star City von Green Arrow beschützt und sonntags trachteten die wandelnden Toten nach dem Leben von Rick Grimes und seinen Gefährten. Schon bald wird der Flash durch Central City düsen, John Constantine unbeabsichtigt die Apokalypse heraufbeschwören und daraufhin hoffentlich nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, Jim Gordon seinen Dienst als Ermittler beim GCPD antreten und Gwen Dylon ihrem gesteigerten Hunger auf Hirn nachgeben. Spätestens wenn dann noch Luke Cage, Iron Fist, Jessica Jones und der Daredevil auf den Plan treten, bedeutet das eine volle Woche für Superheldencomicfans.

Das Angebot ist also so umfangreich und die Entwicklung so schnelllebig, dass man sich über Fehltritte schnell hinwegtrösten und schäbige Umsetzungen einfach ignorieren kann. Vielleicht entwickelt man aber auch Interesse an Charakteren, die einem zuvor nie interessant erschienen, in ihrer Filminkarnation aber dennoch begeistern können. Die Fülle an Wahlmöglichkeiten erscheint bestechend, beschreibt jedoch nur im Ansatz das Privileg des Aufwachsens und Lebens in dieser Zeit, wo der Raum zwischen den Panels nicht mehr nur im Kopf gefüllt, sondern erstmals in bewegten Bildern auf gigantische Leinwände projiziert wird. Wenn wir uns irgendwann an den ersten Kinoauftritt eines sprechenden Waschbären mit gigantischen Laserkanonen und seinen Freund, einem lebenden Baum mit beschränktem Wortschatz zurückerinnern, werden wir hoffentlich erkennen, dass es niemals eine bessere Zeit gegeben hat als diese.

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